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1. Die Reformation im 16. JahrhundertSeit dem 13. Jahrhundert wurden in der Dauphiné Bibeltexte verbreitet, und zwar von Waldenser Hausierern, die dort von Dorf zu Dorf zogen. In den beiden darauffolgenden Jahrhunderten lösten Kriege und Pest bei den Menschen Gefühle der Unsicherheit aus, der Verzweiflung beim Gedanken an den Tod und der Angst um das Seelenheil. Laien erwarteten eine Antwort auf ihre Fragen, sie wünschten eine Kirchenreform und eine Rückbesinnung auf das Evangelium. Ein deutscher Mönch namens Martin Luther(1) entdeckte im Römerbrief, dass das Heil allein durch den Glauben an Jesus Christus zu erlangen sei. Im Oktober 1517 schlug er seine 95 Thesen gegen den Ablasshandel an das Tor der Schlosskirche zu Wittenberg(2). Dank der Buchdruckerkunst gelangten die Ideen Luthers auch bis nach Grenoble. Im März 1523 rief der Franziskanermönch Pierre de Sibiville zum Fasten auf. Er erhob sich ferner gegen die Autorität des Papstes und den Marienkult. Im April 1524 predigte ein Dominikaner aus Lyon, Aimé Meigret die Rechtfertigung durch den Glauben und verurteilte die Mönchsgelübde(3). Eine heimliche "Kirche" enstand. Ihre Mitglieder wurden verfolgt und zum Teil hingerichtet (in Vienne, Grenoble, Embrun und Romans). 1532 beschloss die Waldenser Synode von Chanforan, die Reformation einzuführen und beauftragte Olivétan, die Bibel ins Französische zu übersetzen. Die Übersetzung erschien 1535 und trug ganz entschieden zur Verbreitung der Reformation bei(4). 1561 waren etwa 40 neue Gemeinden entstanden, in MontéIimar, in Valence, in Grenoble und in Die(5), in Mens und Gap(6), in grossen Teilen der Dauphiné und den Tälern des Piémont. Für sie kommt das Heil aus Genf und sie bitten Jean Calvin (7) um die Entsendung von Pastoren(8),(9). Die Reformation ist also eine calvinistische und sie erlebt eine erhebliche Verbreitung. Die Religionskriege dauerten in der Dauphiné nicht so lange wie im Königreich(10) und es gab in der Provinz auch keine Bartholomäusnacht. Nichtsdestoweniger führte der Zusammenstoss der Armeen zu regelrechten Schlachten. Städte wurden erobert und gingen wieder verloren(11). Die Truppen der protestantischen Partei, 12.000 Männer, wurden zunächst von Charles Dupuy de Montbrun angeführt, dann von Lesdiguières(12). Dieser war ein grosser Heerführer, der sich in der Privinz auch als ein tüchtiger Verwalter erwies und in Grenoble als ein kluger Städteplaner. Die Autorität Heinrichs IV. sowie die Tatsache, dass sich Frankreich in einem Erschöpfungszustand ohnegleichen befand, machten die Unterzeichnung des Edikts von Nantes am 30. April 1598 möglich(13). Mit ihm kehrten endlich der bürgerliche Friede und der Religionsfriede zurück. Aber dieses Edikt konnte auf zweierlei Art ausgelegt werden:
Anmerkungen
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