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3. Vom Widerruf zur RevolutionDas Edikt von Nantes wurde durch das Revokationsedikt von Fontainebleau (17. Oktober 1685) aufgehoben(1). Das bedeutet
Viele weigern sich, die Provinz zu verlassen. Sie werden Neukonvertiten genannt. Manche von ihnen werden katholisch, weil sie ihre Ruhe haben wollen, auch aus Mangel an Überzeugung, aus Opportunismus oder einfach, weil sie ihre gesellschaftliche Stellung nicht verlieren wollen. Andere werden "schlechte Katholiken", das heisst sie lesen weiter die Bibel, lassen ihre Kinder taufen oder auch nicht, heiraten aber nicht kirchlich, sondern begnügen sich mit einem notariellen Vertrag. Das tägliche Leben verläuft in jeder Diözese anders: In der Diözese Valence-Die setzt der Bischof, Mgr. de Cosnac(2), die Dragoner ein und verfolgt mit grosser Brutalität seine Zwangs- und Assimilationspolitik. Die Protestanten werden streng überwacht: Sie müssen zur Messe gehen, an der Kommunion teilnehmen und Kinder wie Eltern den Religionsunterricht besuchen. Der Bischof veranlasst immer häufiger Entführungen von Kindern, die er in Klöster oder Krankenhäuser sperren lässt wie z.B. in Valence und Die. In der Diözese von Grenoble hingegen gelang es Bischof Le Camus(3), im August 1686, sich der Dragoner zu entledigen. Er lehnte jeden Zwang ab und vertraute auf Überzeugungskraft, ein gemässigtes Verhalten sowie auf die Predigt, den Katechismus und die biblischen Textauslegungen. Er bemühte sich um echte Konversionen, wollte lieber überzeugen als brutal vorgehen. 1696 musste er allerdings einsehen, dass seine Politik ein Misserfolg war(4). Die Hartnäckigsten derer, die dageblieben waren, nahmen bereits 1686 "in der Wüste"(6) an heimlichen Versammlungen teil(5), die von "Predigenden"(7) geleitet wurden. Das war an folgenden Orten in der Drome der Fall: Plan-de-Baix, Clos-Rond in der Nähe von Beaufort, Le Bois de Vache bei Bourdeaux, Les Pialoux bei Baume Cornillane usw., im Trièves: in der Naehe von Mens, in den Hautes Alpes: Tresclèoux, Dormillouse und Pierregrosse im Queyras. Wenn diese Versammlungen entdeckt wurden, wurden die Frauen in den Turm von Crest(8) oder ins Valencer Krankenhaus gesperrt, die Männer kamen auf Galeeren(9). Die einen wie die anderen konnten auch gehenkt werden, vor allem die Predigenden. Im Laufe des, Jahres 1689 endeten 19 Gläubige am Galgen. Grausamkeiten und Misshandlungen des berühmten Folterers d'Hèrapine, auch La Rapine genannt, sind von Blanche Gamond aus Saint-Paul-Trois-Chateaux et Jeanne Terrasson aus Die bezeugt worden. In der Gegend von Bourdeaux entsteht die erste Prophezeiungsbewegung. Sie bedeutet Hilfe für die Neukonvertiten bei ihrem geistigen Widerstand. Die junge, aus Saou stammende Isabeau Vincent war 16 Jahre alt, hütete Schafe und konnte weder lesen noch schreiben, aber sie beginnt ab Februar 1688 nachts zu reden: "Zeigt Reue ... Lasst uns fest bleiben... Gehorcht den Geboten Gottes ..."(10). Sie hatte einen gewaltigen Zulauf, sogar von Menschen aus anderen Provinzen. Im Juni wurde sie festgenommen und in den Turm von Crest gesperrt, dann in ein Kloster in Grenoble, aus dem sie für immer verschwand. Aber sie hatte die Bewegung der "Kleinen Propheten" ins Leben gerufen, die im Vivarais weiter existierte. Später, ab 1715, wurden 30 Jahre lang die Kirchen der Dauphiné von Jacques Roger "erneuert". Er wurde im Mai 1745(11) in Grenoble gehenkt. Zwei Monate früher war der junge Pfarrer Louis Ranc in Die gehenkt worden. Daniel Vouland und Pierre Rozan sind ebenfalls Pastoren der "Kirche in der Wüste" so wie auch Jean Béranger, der 1767 als letzter zum Tode verurteilt und symbolisch hingerichtet wurde. Erst sehr viel später, im Jahre 1787, wurde mit dem sogenannten "Toleranzedikt" der Personenstand der Protestanten geregelt. Allerdings steht in diesem Edikt nichts über die Religionsfreiheit und die Möglichkeit, Gottesdienste zu halten. Vielen Protestanten aus der Dauphiné genügte diese Form "heimlicher" Freiheit nicht. 10.000-12.000 wählten die Emigration und suchten Religionsfreiheit an verschiedenen Zufluchtsorten im Ausland(12). Die Gegenden, die am meisten unter der durch den Widerruf ausgelösten Fluchtwelle zu leiden hatten, waren das Queyras, Gap und das Buechtal, das Oisansgebirge und das Tal der Romanche (100% in Clavans, 70% in Mizoen), die Ebene von Valence und das Rhonetal (über 50% in Montélimar). Genf und die Schweiz waren meistens nur Durchgangsorte. Von Frankfurt aus führte der Weg entweder nach Hessen - Kassel oder nach Brandenburg. In Hessen - Kassel gründeten die Hugenotten landwirtschaftliche Kolonien. Diejenigen, die aus Die stammten, in Frankenau und Louisendorf (1688), die, die aus Abriès im Queyras kamen, in Carlsdorf, die aus Embrun in Daubhausen und Greifenthal (35 km südwestlich von Marburg)(13). Die vielen Flüchtlinge, die nach Brandenburg(14) gingen, liessen sich in Berlin(15), Burg, Magdeburg, Halberstadt und Halle nieder. Ab 1703 stiessen die Protestanten aus Orange zu ihnen, die das Herzogtum auf Grund der Besetzung durch die Truppen Ludwig XIV. verlassen mussten. Die Wege ins Exil sind voller Hindernisse, besonders schwer ist es, das Herzogtum Savoyen zu durchqueren. Oft enden diese Wege ins Exil mit Gefängnis und Tod(16). Anmerkungen
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