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Zur Ausstellung 1. Anfänge der Diakonie Das griechische Wort Diakonie bedeutet dienen, verstanden auf dem Hintergrund der Person und dem Werk Jesus Christus. Das diakonische Verständnis, das Dienen dem Nächsten, dem Kranken und Schwachen, entstand in der Selbstorganisation der jungen christlichen Kirche der ersten Jahrhunderte. Männer wie Fliedner, Wichern und Bodelschwingh griffen im 19. Jahrhundert dieses Verständnis auf und gründeten große soziale Einrichtungen, in denen sich diakonisches Handeln mit spezifischen Berufsbildern verband. 2. Die Erweckungsbewegung
Eine der prägendsten Phänomene der 18. Jahrhunderts in Ostwestfalen-Lippe war die Erweckungsbewegung. Sie setzte diakonischem Handeln neue Maßstäbe, die in Minden-Ravensberg eine einzigartige Ausbildung erfuhren. Stichworte sind Vereinsbildung, politisches Engagement und Diakonie. Pastoren wie Volkening aber auch Laien waren die Träger dieser Bewegung. Aus ihr entsprangen nicht nur die Missionsfeste, sondern auch die Posaunenchöre und die Gründung von Anstalten wie Bethel, Rettungshäusern wie in Schildesche und Kranken- und Siechenhäusern wie das St. Martins-Stift in Spenge.3. Professionalisierung der Pflege Geburt, Krankheit, Alter und Tod begleiten den Menschen unausweichlich auf seinem Lebensweg. Die Pflege von Menschen, die Sorge um den Anderen, lässt sich bis in frühe Kulturen zurückverfolgen. Bis ins 20. Jahrhundert hinein bleiben die Kirchen Träger einer vom Fürsorgegedanken geprägten Pflegehaltung. Doch die Entwicklung ging immer mehr zu einer Professionalisierung und Verwissenschaftlichung von Pflege nach staatlichen Vorgaben unter dem Primat der Wirtschaftlichkeit.
"Die berufliche Berührung zu einem Akt der Zärtlichkeit werden lassen."4. Diakonie heute und morgen – Perspektiven Diakonische Arbeit bewegt sich heute im Rahmen von Marktgesetzen und Professionalität. Die zunehmende Europäisierung wird den Druck auf Diakonische Einrichtungen noch zusätzlich erhöhen. Prüfstein:
Wird in "diakonischer" Arbeit etwas von der Verheißung Jesu spürbar und erfahrbar?
Die Ausstellung bietet unter dieser Fragestellung Anregung zum Nachdenken und zur Entscheidung für das eigene Tun. 5. Das St. Martins-Stift in Spenge Am 9. Januar 1880 beschoss das Presbyterium der Kirchengemeinde auch in Spenge ein Pflege- und Krankenhaus für "alte, hilfsbedürftige Gemeindeglieder, sowie Kranke, welche es an rechter Pflege fehlt", zu errichten. Mit 6 Pfleglingen im Alter von 61 bis 82 Jahren wurde das Haus in Betrieb genommen. Doch schon bald wurden auch Kinder alles Altersstufen aufgenommen. Der Vertrag mit dem Diakonissen-Mutterhaus in Sarepta in Bethel sicherte die Leitung des Hauses und die Pflege der Bewohner durch Diakonissen. Bis 1969 bestimmte diakonische Fürsorge das Leben im alten St. Martins-Stift, eng verbunden mit der Geschichte der Stadt Spenge in Kriegs- wie in Friedenszeiten. Doch den gesellschaftlichen Modernisierungsprozessen war das alte Haus nicht gewachsen. 1980 wurde es abgerissen. Viel bürgerliches und stadtpolitisches Engagement bedurfte es in den 80er Jahren, bevor 1990 ein neues, großes Alten- und Pflegeheim entstehen konnte. ![]() |